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Der aktuellste Bericht ist auf der Seite Tansania aktuell zu finden. Die Ladezeiten meiner Moshi-Blog-Seite wurden zu lang, da es inzwischen sehr viele Berichte mit Bildern und Filmen gibt. Deshalb gibt es jetzt Jahresseiten mit Berichten:

 

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Das Bildmaterial folgt immer unter dem Text

Moshi-Blog Sommer 2012

Im Sommer 2012 war ich zum ersten Mal in Tansania. Zusätzlich zum Unterrichten nutzte ich die Zeit um zusammen mit dem tansanischen IT-Lehrer Frank Sanka die Internetseiten der Kishumundu Secondary School zu erstellen.

Kommentare: 26 (Diskussion geschlossen)
  • #1

    michaelbauerde (Sonntag, 03 Juni 2012 08:24)

    Noch etwas über 4 Wochen bis zur Abreise nach Moshi. Ich stecke voll in den Aufgaben des Schuljahrendes, z.B. Lernkontrollen korrigieren und Noten feststellen. Nebenher laufen die Vorbereitungen für die Reise. Die formalen Voraussetzungen, z.B. Flugbuchung, Visum, Impfungen ... für die Reise sind zum Glück alle schon erledigt.

  • #2

    michaelbauerde (Mittwoch, 04 Juli 2012 08:48)

    Endlich geht es los. Mein nächster Eintrag kommt aus Tansania! Ich bin schon in großer Vorfreude, voller Neugier und schwer beladen. Zum Glück darf man bei Aethopian Air 2 x 23 kg Gepäck und 7 kg Bordgepäck mitnehmen!

  • #3

    michaelbauerde (Dienstag, 10 Juli 2012 10:07)

    Hallo aus Moshi,

    ich bin gut im Kishumundu eingetroffen und sehr herzlich empfangen worden. Die ersten Stunden mit mir als Beobachter haben stattgefunden. Es gibt allerdings noch ein Problem mit Zugang zum Blog. Ich arbeite daran!

  • #4

    michaelbauerde (Donnerstag, 12 Juli 2012 07:55)

    Hallo,
    ich fuehle mich sehr wohl und habe inzwischen viele Unterrichtsstunden angesehen. Die Schueler hier sind sehr diszipliniert. Ich habe noch nie so wenig Unterrichtsstoerungen erlebt, wie in den Stunden hier. Und dies, obwohl der Unterricht meist lehrerzentriert stattfindet und die Schueler nur zuhoeren duerfen!

  • #5

    michaelbauerde (Freitag, 13 Juli 2012 18:33)

    Ab heute werde ich regelmässig schreiben, denn ich habe einen mobilen Internetzugang über UMTS-Modem für mein Netbook erworben. Ja, richtig gelesen! Im kleinen Dorf Kishumundu am Kilimanscharu in Tansania kann man ohne Probleme und preiswerter als in Deutschland üblich ins Internet kommen. Die Verbindungsgeschwindigkeit ist OK. Das hatte ich im Leben nicht erwartet und es hat mir auch keiner der hier bereits früher hergereisten Kollegen erzählt, sonst hätte ich mein UMTS-Modem aus Deutschland mitgebracht. Überhaupt sind die Tansanier bezüglich Mobiltelefonie bis auf die Verwendung von Smartphones nahe am europäischen Standard.

    Die erste Schulwoche ist vorbei udn ich habe eine Menge Eindrücke zu verarbeiten. Die Tansanier sind mir sehr freundlich begegnet und reagieren hier im Dorf sehr erfreut und interessiert. Auch in Gesprächen mit Kollegen wurde ich viel über das Leben und zum Leben als Lehrer in Deutschland gefragt. Die Schüler sind teilweise noch etwas schüchtern, aber ich bin in einigen Klassen dabei diese schüchterne Zurückhaltung zu durchbrechen.

    Ich werde jetzt noch ein paar Bilder hochladen. Viel Vergnügen beim anschauen!

  • #6

    michaelbauerde (Samstag, 14 Juli 2012 07:33)

    In der ersten Woche hat es morgens oft geregnet. Im Laufe des Tages klarte es dann auf und am Nachmittag und Abend schien oft die Sonne. Regen macht die sonst staubigen Strassen und Wege zu rutschigen Schlammpisten. Der rote Schlamm hängt sich natürlich auch an die Schuhe und wird in der Schule überall hineingetragen - insgesamt sehr lästig. Und von der Kleidung ist er mit der hier überall erzwungenermaßen praktizierten Handwäsche natürlich auch nur mit großem Kraftaufwand zu entfernen. Eine harte Herausforderung für einen Waschmaschinenverwöhnten Europäer!

  • #7

    michaelbauerde (Sonntag, 15 Juli 2012 08:57)

    Gestern bin ich mit dem DalaDala und lieber Begleitung zum Morangu-Gate gefahren. Dort beginnen und enden die Besteigungen des Kilimandascharu über die Morangu-Route. Die Berge waren allerdings einmal mehr in Wolken gehüllt. Zu dieser Jahreszeit scheint mir eine teure Kili-Besteigung Geldverschwendung, da an der Hauptzahl der Tage tolle Ausblicke usw. nicht möglich sein werden. Stattdessen wird man im Nebel/Wolken herumtapsen. Ein DalaDala ist ein Kleinbus, der hier mit extrem vielen Menschen beladen wird. 20 Fahrtgäste sind keine Seltenheit. In einem PKW (zugelassen für fünf Personen) werden zwecks besserem Verdienst gerne mal 7 Personen transportiert. Dafür ist die wenig bequeme Fahrt sehr preiswert. Auf längere Strecken ist eine DalaDala-Fahrt allerdings sehr ermüdend. Nichts desto Trotz haben ich den Ausflug in die Berge genossen. Wir haben mit einem lokalen Bergführer eine nette Wanderung zu einem Wasserfall gemacht. Dieser war sein Geheimtipp und tatsächlich waren keine Touristen zu sehen. Stattdessen viele kleine Kinder, die am Wasser gespielt haben und mich neugierig beäugt haben. Auch die Einheimischen auf dem Weg zum Wasserfall waren alle sehr freundlich. Insgesamt ein gelungener Ausflugstag.

    Heute morgen bin ich dann früh aufgestanden, um mit meinem Kollegen Mr. Nzao um 7 Uhr in die Kirche zu begleien. Diese war brechend voll mit Erwachsenen! Auch die zwei folgenden Messen mit den Kindern und den Jugendlichen werden gut besucht sein! Die Messe war sehr interessant. Die Kirchenmusik ist erfreulich anders als in Deutschland, mit viel mehr Schwung.

  • #8

    Birgit Esslinger (Montag, 16 Juli 2012 18:34)

    Lieber Michael,
    nach vergeblicher Suche in deinen mails habe ich deine website im internet gefunden (über 20 Mio Treffer, u.a. eine Michael Bauer Schule und ein Michael Bauer, Friseur in Langenselbold!)
    Wir denken an dich und freuen uns über Berichte aus einer ganz anderen Schulwelt. Heute habe ich 3h in der Schule verbracht wegen der Einführung von Smart boards oder White boards oder wie die Dinger heißen. Ich befürchte aber, es wird die Motivation unserer Schüler nicht steigern..........
    Wegen des wechselhaften Wetters (tropische Regengüsse abwechselnd mit kurzen sonnigen Phasen) schieben wir geplante Alpenwanderungen von Woche zu Woche. eine Fahrt ins Gebirge ist einfach zu aufwendig. Dafür zieht es uns öfters nach Guntersrieth, um nach den Gedeihen der Kartoffeln zu schauen oder die zahlreich erschienenen Disteln zu köpfen.
    Hast du denn schon selbständig unterrichtet? Wo wohnst du denn? Und wie ist das Essen?
    Ich bin gespannt auf weitere Eindrücke
    Birgit und Rainer

  • #9

    michaelbauerde (Montag, 16 Juli 2012 21:46)

    Es scheint, dass es eine gute Entscheidung war, die Sommerferien nicht in Deutschland oder Mitteleuropa zu verbringen. Zu Thema Schule: Von Smartboards und ähnlichen Geräten bin ich momentan fast so weit weg wie der Mars von der Erde. Aber einen durchaus akzeptablen mobilen Internetzugang über UMTS-Modem habe ich kaufen können! Nach einer Woche Hospitationen starte ich gerade mit eigenen Beiträgen in einigen Stunden. Andere Projekte, z.B. eine Internetseite für die Kishumundu Secondary School, sind in Arbeit. Ich wohne in einer Wohnung auf dem Schulgelände direkt neben einer der guten Seelen der Schule, der Sekretärin und Organisatorin Salome Mungure. Abends kochen und essen wir immer gemeinsam, während tagsüber der Koch Joseph mit afrikanischen Essen für die notwendige leckere Energiezufuhr sorgt. Wenn ich von der Schule aus ca. 5-10 min die Straße bergauf gehe, habe ich einen schönen Blick auf die Spitze des Kilimandscharu (siehe Fotos), falls er sich gerade einmal nicht in den Wolken versteckt. Nachts oder morgens regnet es hier gelegentlich auch, aber meist ist es spätestens am Nachmittag sonnig und dann um die 25°C warm.

  • #10

    michaelbauerde (Dienstag, 17 Juli 2012 20:06)

    Ich bin sehr froh, dass ich die Malariaprophylaxe mit Malarone gut vertrage und bisher von Magen- und Darmblessuren verschont geblieben bin. Heute war ich in Moshi und der Kilimandscharu sah im Abendlicht sehr toll aus. Trotzdem plane ich keine Besteigung des Kilimandscharu, obwohl er wie heute immer wieder einmal sehr verlockernd aus den Wolken auftaucht und so nah wirkt. Der Aufstieg ist sehr anstrengend und erfolgt sehr schnell (ca. 1000 Höhenmeter pro Tag), so dass erhebliche Gefahr für Höhenkrankheit besteht.
    Was gibt es sonst Neues? Die Kishumundu Secondary School hat ab heute eine Internetseite! Zusammen mit einem Kollegen, Frank, dem neuen Webmaster der Schule, erstelle ich unter http://kishumundu.jimdo.com/ eine Homepage für die Schule. Außerdem wird an der Schule mit meiner Hilfe ein Schüler-Sanitätsdienst aufgebaut. Hierbei wird der an der KSF existierende Sanitätsdienst als Vorbild dienen. Ansonsten habe ich heute im praktischen Chemieunterricht einer Abschlußklasse bei der qualitativen Analyse hospitiert und kann den Kollegen für ihre Arbeit unter den teilweise schwierigen Bedingungen nur immer wieder meine allerhöchste Hochachtung aussprechen.

  • #11

    michaelbauerde (Mittwoch, 18 Juli 2012 18:17)

    Reichlich Beamer- und Interneteinsatz im Unterricht lies heute die Schüler staunen!
    Heute habe ich mit einem Kollegen der Kishumundu Secondary School spontan eine Doppelstunde zum Thema Internet mit einer Form II-Klasse gehabt. Die Schüler staunten nicht schlecht, als für alle sichtbar zum ersten Mal live an ihrer Schule im Unterricht mit dem Internet gearbeitet wurde. Die Rechner für die Schüler und Lehrer im Computerraum der Schule sind bisher nämlich alle ohne Internetzugang. Nur im Verwaltungsgebäude hat die Schule einen Rechner mit Internetzugang. Es wurde im Unterricht geklärt, was Internet eigentlich ist, wie man sich verbindet (z.B. mit dem Modem-Stick) und was man mit dem Internet machen kann. Bsp.: Emails schreiben, die neue Kishumundu Sec. School Homepage besuchen, mit Google nach Informationen suchen, mit Google Earth eine kleine virtuelle Reise machen oder Geographieunterricht machen, und vieles mehr. Leider setzte die Verbindung immer wieder aus. Allerdings war auch dies sicher lehrreich für die Schüler, denn so sind die hiesigen Bedingungen nun einmal. Dann habe ich mit einen anderen Kollegen Ko-teaching zum Thema Gemischtrennungen in der F1 betrieben. Auch dies war sicher anders für die Schüler als die bisherigen Unterrichtstunden, da die Methoden im Lehrer-Demoversuch am Bsp. von Alltagsproblemen mittels Haushaltsmitteln praktisch vorgeführt wurden. Auch an der Homepage haben wir heute wieder gearbeitet, so dass sie große Vorschritte macht.

  • #12

    michaelbauerde (Freitag, 20 Juli 2012 09:19)

    Die Kollegen zeigen großes Interesse daran zu erfahren, wie ich im Chemieunterricht arbeite. Deshalb habe ich gestern und heute viel zusammen mit den Chemiekollegen der Kishumundu Secondary School experimentiert. Wir haben Sauerstoff und Wasserstoff im Microscale-Gasentwickler hergestellt, ein Luftballon-Explosionseudiometer gebaut und darin Knallgas zur Explosion gebracht. Auch die Erniedrigung der Aktivierungenergie durch Katalysatoren mit Knallgas wurde exemplarisch demonstriert. Wir haben noch viele weitere Experimente besprochen und teilweise bereits durchgeführt, oder werden sie in den nächsten Tagen bei einem Praktikumsnachmittag zusammen machen.
    Ein Hintergrund ist, dass mir aufgefallen ist, dass im Unterricht doch sehr viel vom Lehrer gesprochen wird und relativ selten Experimente gemacht werden. Wenn Experimente gemacht werden, dann oft Lehrerexperimente. Ausnahmen sind in den höheren Jahrgängen die Stunden, in denen die Schüler auf die nationalen Prüfungen vorbereitet werden. Diese nationalen Prüfungen spielen eine sehr starke Rolle im Unterricht. Im Chemieunterricht der Form III und IV wird zur Zeit intensiv qualitative und quantitative Analyse (in Form von im Ablauf stark gesteuerten Titrationen und Nachweisreaktionen) betrieben, was mich stark an mein erstes Semester im Chemiestudium erinnert.
    Das bei uns sehr stark betonte Lernen von Prinzipien und die Kompetenz zur Anwendung des Erlernten bei neuartigen Fragestellungen/Problemen habe ich hier bisher kaum gesehen. Auch problemorientierte Unterrichtsstunden habe ich eigentlich fast überhaupt nicht gesehen. Vielleicht gelingt es mir die Experimentierfreude meiner hiesigen Kollegen etwas zu beleben, denn die Experimente sind doch das Salz in der Suppe beim Chemieunterricht!!

  • #13

    michaelbauerde (Samstag, 21 Juli 2012 07:28)

    Gestern war ich für kurze Zeit nicht der einzige MZUNGU an der Kishumundu Secondary School. Hr. Eckhard Schulz, ein pensionierter Lehrer für Chemie und Biologie, schaute vorbei. Er hat Ende der sechziger Jahre / Anfang der siebziger Jahre einige Jahre in Sansibar und in der Secondary School von Old Moshi unterrichtet. Im Gegensatz zu mir spricht er Kisuaheli und konnte daher gut mit den Schülern in Kontakt kommen. Für die Kollegen hier war es ein wenig komisch, mich plötzlich in einer für sie nicht verständlichen Sprache sprechen zu hören, denn bisher hörten sie ja immer nur englische Töne aus meinem Mund kommen.

  • #14

    michaelbauerde (Sonntag, 22 Juli 2012 08:08)

    Am Samstag habe ich mit Salome Mungure einen Ausflug in eine andere Gegend im Umland von Moshi gemacht. Dort befindet sich eine große Kaffeeplantage und es bietet sich ein toller Blick auf den Kilimandscharu. Wir haben auch zwei staatliche Secondary Schools besichtigt, in denen allerdings am Samstag keine Schüler waren, da sie nur Day-Students haben. Was für ein Unterschied zur Kishumundu Sec. School! An beiden Schulen hatten die Klassenräume keine elektrische Beleuchtung, keine Steckdosen, keinen Wasseranschluß in vernünftiger Nähe und Science-Räume mit Gasversorgung habe ich auch nicht gefunden. Wahrscheinlich standen deshalb auch die Türen zu einigen Klassenzimmern am Wochenende offen, denn etwas zum klauen gab es dort nicht wirklich. Das Mobiliar des Lehrerzimmers bestand aus Schülermöbeln. Strom gab es nur im Verwaltungsgebäude. Ansonsten herrschte überall viel Leere und sogar an einer Schule viele ungenutzte Klassenzimmer, obwohl gleichzeitig weitere Klassenzimmer gebaut werden! Eine gut gefüllte Bibliothek, einen Computerraum, eine Mensa, einen Kiosk, naturwissenschaftliche Fachräume und ein vernünftiges Lehrerzimmer wie an der Kishumundu Secondary School - ich habe sie nicht gefunden! Die Schülerzahlen der einen Schule waren vergleichbar mit denen der Schule in Kishumundu. Die Besichtigung war sehr hilfreich um mir den qualitativen Stand der Kishumundu Secondary School zu verdeutlichen.

  • #15

    michaelbauerde (Montag, 23 Juli 2012 16:08)

    Für meinen Aufenthalt an der Kishumundu Secondary School ist bereits die Halbzeit erreicht. Ab heute schwitzen die Form II und IV Schüler eine Woche über den Distriktprüfungen. Für die Form I und III findet normaler Unterricht statt.
    Heute gab es von mir mit Internet, PC und Beamer Unterstützung im Geographieunterricht der Form I Schüler. Zum Thema Flüsse haben wir mit Google Earth typische Merkmale von Flüssen, z.B. Quellgebiete im Gebirge, Mündung in größere Flüsse, mäandrieren und Anhäufung von Sediment im Kurveninneren, Altarme, Wasserfälle und Mündungsdelta betrachtet. Auch berühmte Wasserfälle (Victoria-Falls, Niagara-Falls), der Grand Canyon und Besonderheiten wie der Okawango, dessen Wasser niemals das Meer erreicht, da sein Delta in der Wüste inmitten von Afrika liegt, wurden mittels Google Earth betrachtet.

  • #16

    michaelbauerde (Montag, 23 Juli 2012 16:24)

    Und jetzt noch ein paar interessante Informationen über den Schulalltag für meine lieben Schüler:
    Der Unterricht startet wie bei uns um 8 Uhr. Die Unterrichtsstunden dauern jeweils 40 min. Am Vormittag gibt es insgesamt 7 Stunden: zwei Stunden, 5 min Pause, 2 weitere Stunden, 15 min Pause (10.45 bis 11 Uhr), dann drei weitere Stunden bis 13 Uhr. Nach einer Stunde Pause für das Mittagsessen gibt es dann die 8. und 9. Stunde Unterricht. Im Anschluss an den Unterricht müssen die Schüler noch das Schulgelände und die Klassenzimmer reinigen. Die Schüler haben in der Regel täglich 9 Unterrichtsstunden.

  • #17

    michaelbauerde (Dienstag, 24 Juli 2012 17:58)

    Heute ging es richtig zur Sache, denn das Dach des Erweiterungsbaus wurde betoniert. Knapp zwanzig Bauarbeiter waren zugange, um in mühsamer Handarbeit mit einem Betonmischer aus Zement, Sand, Kies und Wasser den Beton herzustellen, an die vorgesehene Stelle zu bringen und dort fachgerecht zu verteilen. Die Betonierungsarbeiten fanden den ganzen Tag über großes Interesse seitens der Schulgemeinde (Bilder siehe Bildergalerie unter dem Blog). Meine Chemiekollegen hatten mit mir derweil am Nachmittag ein praktische Fortbildung zum Thema Microscale-Experimentiertechniken.

  • #18

    michaelbauerde (Mittwoch, 25 Juli 2012 16:01)

    Erfolgserlebnisse
    1.) Auch im Chemie-Curriculum in Tansania erlernen die Chemieanfänger zuerst die Eigenschaften von Materie, die Aggregatzustände und lernen dann verschiedene Gemischarten und Trennmethoden. Dann folgt die Luft und ihre Zusammensetzung, sowie Verbrennungsreaktion, Bedingungen für einen Brand und Feuerlöschmethoden. Heute haben wir ein Experiment zum Sauerstoffanteil der Luft mit Eisenwolle ausgewertet. Da bisher die Schüler meist sehr schleppend oder gar nicht auf meine Fragen beim Co-teaching antworteten, haben wir heute einen Versuch gestartet. Vielleicht waren die Antworten so verhalten, da die Schüler sich nicht richtig in Englisch ausdrücken konnten. Sie durften daher heute in der problemorientierten Unterrichtsstunde zur Auswertung des Experimentes in Kisuahili antworten und mein Co-Lehrer Mr. Nzao übersetzte für mich ins Englische. Und siehe da, es kam eine richtig lebhaftes Unterrichtsgespräch mit Hypothesen, guten Ideen und Antworten auf. Insgesamt entstand dadurch eine sehr interessante und lehrreiche Stunde für alle Beteiligten.
    2.) Gestern überwand ein Schüler seine Hemmungen und sprach mich auf ein im Unterricht durchgeführtes Experiment und die verwendeten Materialien an. Es ging um Papierchromatographie und die dabei verwendete Papiersorte: Ob denn ein spezielles Papier erforderlich sei? Ich antwortete, dass es ein saugfähiges Papier sein sollte, also normales Schreibpapier nicht so gut funktioniert. Wir sprachen weiter und es stellte sich heraus, dass er gerne selbst eine Papierchromatographie durchführen wollte. Er wollte es sogar mit der alternativen Kreidemethode und nicht mit der im Unterricht vorgestellten Wasserglasmethode machen. Ich habe ihn mit den nötigen Materialien ausgestattet, was ihn sehr freute und nur etwas später am Nachmittag zeigte er mir bereits sehr schöne, runde Chromatogramme. Es war übrigens einer der Schüler, die in der nächsten Stunde zum Luftversuch einen sehr guten Beitrag leisteten.
    3.) Die Chemie-Kollegen fragten, ob wir einen weiteren experimentellen Workshop durchführen können.

  • #19

    michaelbauerde (Donnerstag, 26 Juli 2012 21:35)

    Exakt vor zwei Jahren habe ich erstmals auf diesen Internetseiten Informationen über mich, meine Erfahrungen und Erlebnisse veröffentlicht. Dies möchte ich auch heute tun. Zusammen mit dem IT-Lehrer der Schule habe ich heute den Schülern der beiden Form I Klassen die Einsatzmöglichkeiten des Internets bei der Informationsbeschaffung und Kommunikation aufgezeigt, z.B. die Benutzung von Browsern, Suchmaschinen und Informationen zum Wetter, hier und z.B. in Deutschland. Dann haben wir jeweils exemplarisch einen Schüler bei der Einrichtung eines Emailkontos bei Yahoo assistiert (siehe Foto in der Bildergalerie). Die Mitschüler konnten dies über den Beamer verfolgen. Am Ende wurde dann eine Email mit Bildanhang an mich versandt. Im Chemieunterricht haben wir mit einer weiteren Klasse das Experiment zur Bestimmung des Sauerstoffgehalts der Luft analysiert.

  • #20

    michaelbauerde (Samstag, 28 Juli 2012 16:45)

    Am Samstag haben die Schüler überall auf dem Gelände fleißig aufgeräumt, gegärtnert und notwendige Erdarbeiten zur Erhaltung der Gebäude und Vorbereitung des zweiten Anbaus zum Mädchendormatory erledigt. Ich war bei einem Kollegen zum Besuch seiner Familie nach Hause eingeladen. Die Fahrt dorthin erfolgte zu meiner großen Freude auf seinem Motorrad. Aufgrund der Trockenzeit sind die Straßen jetzt sehr staubig (siehe Bildergalerie), so dass man bei Gegenverkehr das Gefühl hat in einen Sandsturm geraten zu sein. Ich verbrachte einen schönen Nachmittag auf gänzlich untouristische Weise im Kreise einer afrikanischen Familie! Wie so oft in Tansania handelte es sich nicht nur um eine klassische Familie aus Eltern und ihren leiblichen Kindern, sondern um eine erweiterte Familie, in die zeitweise auch Kinder von Verwandten oder Freunden integriert werden, um ihnen z.B. einen qualitativ besseren Schulbesuch zu ermöglichen.

  • #21

    michaelbauerde (Dienstag, 31 Juli 2012)

    Nach zwei ruhigeren Tagen ist heute wieder einiges Berichtenswertes geschehen. Es ist schön zu sehen, dass mein Aufenthalt hier in Kishumundu etwas bewirkt. Ich bin zufällig in den Chemieunterricht eines Kollegen gekommen, als er gerade die im Workshop erlernte Microscaletechnik zur Chlorherstellung eingesetzt hat. Außerdem habe ich heute fast alle Kollegen und das Verwaltungsteam für schöne Gruppenfotos für die Internetseite der Schule zusammenbringen können. Am Nachmittag wurde dann in meiner Gegenwart in Moshi mit einer Firma ein Vertrag für eine leistungsfähige Internetversorgung der Schule geschlossen. Höchstwahrscheinlich werde ich noch die notwendigen Baumaßnahmen sehen und vielleicht sogar die Inbetriebnahme der Anlage erleben. Und zu guter letzt habe ich heute direkt vor meinen Füssen ein frei lebendes Chamäleon auf dem Schulgelände beobachten können.

  • #22

    michaelbauerde (Donnerstag, 02 August 2012 11:26)

    Heute nacht und am Morgen hat es seit sehr langer Zeit einmal wieder richtig geregnet. Der Juli und August sind in Tansania eine wirklich gute Zeit für Europäer, denn jetzt ist Wintertrockenzeit. Es ist nicht zu heiß (meist 22-25°C, manchmal bis zu 30°C) und es regnet sehr selten. Wenn es einmal regnet, dann ist spätestens nach einem halben Tag schon wieder die Sonne und blauer Himmel zu sehen, wie z.B. heute. Unten in Moshi ist es meist deutlich wärmer als im Bergdorf Kishumundu, das sich auf ca. 1100 m befindet.
    Zu Kishumundu ist weiterhin erwähnenswert, dass es hier wunderbar ruhig ist. Ich habe in vier Wochen kein einziges Fluigzeug wahrgenommen. Die Geräusche sind fast ausschließlich natürlicher Art, wie Grillenzirpen, krähende Hähne, Vögelgezwitscher ... Ansonsten hört man die Schüler und ab und an ein Motorrad, Handwerker oder Dalla-Dalla.

  • #23

    michaelbauerde (Sonntag, 05 August 2012 20:46)

    Die letzten drei Tage war ich auf Safari in drei der schönen Nationalparks Tansanias: Tarangire-Park, Ngorongoro-Krater und Manyara-Nationalpark. Für den Tarangire Nationalpark war es die perfekte Zeit (Trockenzeit, Tiermigration zu den Wasserstellen) und der perfekte Tag. Morgens noch stark bewölkt, wurde der Tag immer sonniger. Daher war es gut, dass wir früh losgefahren waren. Wir hatten zwar etwas Rushhour in Arusha, aber kamen ansonsten gut durch und waren gegen 10 Uhr im Park. Es gab extrem viele Tiere zu sehen und sie waren alle überhaupt nicht scheu. Vor allem Giraffen, Zebras und Elefanten gab es wie Sand am Meer. Gnus und Antilopen natürlich auch. Außerdem sahen wir einen Geparden und Löwen und diebische Affen am Picknickpunkt. Die Landschaft im Park ist sehr abwechselungsreich, oft hügelig und weitgehend grün mit vielen Baobab- und anderen Bäumen, Buschland und Grasland.

    Am Samstag waren wir in der Oldepai-Schlucht und im Ngorongoro-Krater. Bei der Auffahrt auf den Kraterrand deutlich über 2200 m sind wir in die Wolken geraten. Bei der Abfahrt auf der anderen Seite erwartete uns schönstes Sonnenwetter. Die Straßen waren in einem sehr schlechten Zustand. Auf dem Weg zur Schlucht eine einzige violett blühende Pflanzen im braunen Grasland (siehe Fotos)! Oberhalb der Schlucht habe ich das Museum für die Schlucht und die Laetoli-Spuren besucht. In der Schlucht habe ich Leakey´s Fundort von 1959 für Australopithecus Boisei angesehen und auch eine aktuelle Ausgrabung besichtigt. Ich konnte ein paar Beispiele für die Gesteinsschichten mit unterschiedlichen Alter (Deckgestein, Tuff …. und ganz unten Lava) mitnehmen. Dann sind wir in den Ngorongoro-Krater gefahren, der stellenweise sehr trocken und insgesamt hauptsächlich flaches Grasland bietet. U.a. habe ich dort Löwen, Affen, Zebras, Antilopen, Hyjänen, Flußpferde und Rhinos gesehen. Es gab im Krater sehr wenige Elefanten und keine Giraffen! Am Sonntag sind wir in den Manyara-Park gefahren. Am Eingang und im Ort gibt es viele Bäume mit Störchen und einigen Pelikanen. Vor lauter Vogelkot sind die ganzen Bäume und der Boden darunter vollständig weiß. Im Park haben wir nicht ganz so viele Tiere zu Gesicht bekommen, aber Affen, Giraffen, Zebras, Hippos, Elefanten und sehr viele Vögel, u.a. Fischadler. Es gab Giraffen am Strand, einen „Vogelwirbelsturm“ von ca. 300-400 Vögeln im Aufwind drehend und „eingefrorenen Wellengang“ am Seeufer durch die Salzablagerungen beim Eintrocknen während der Trockenzeit. Auf dem Rückweg habe ich neben der Straße mehrere kleine Sandwirbelstürme beobachtet. Insgesamt betrachtet habe ich extrem viele Tiere zu Gesicht bekommen, viele davon in außergewöhnlichen Situationen. Ben (Bernard L. Minja) von African Scenic Safaris in Moshi fuhr sehr geschickt die richtigen Punkte zur richtigen Zeit für die Tierbeobachtungen an. So konnte ich Flußpferde außerhalb des Wassers sehen, Rhinos und Hyänen beim Fressen beobachten, Zebras beim Trinken an einer Wasserstelle und einmal einen Löwen und Impalas aus ca. 3m und mehrfach Elefanten aus ca. 10 m Entfernung beobachten.

  • #24

    michaelbauerde (Dienstag, 07 August 2012 11:59)

    Gestern habe ich das Brothers Vocational Center (VOC), ein Ausbildungszentrum für Jugendliche in Moshi besucht. Dort habe ich Brother Stanislaus Shija getroffen, der mir die Aktivitäten erklärt und gezeigt hat. Wir haben die Werkstätten besucht, in denen die Möbel bzw. Kleidungsstücke hergestellt werden. Einige der Räume für die Ausbildung wurde mit Unterstützung von Helfen macht Schule gebaut. Die Jugendlichen haben mich sehr freundlich empfangen. Die Schule bildet insgesamt ca. 30 Mädchen und Jungen zu Schneiderinnen bzw. Schreinern aus. Die Jugendlichen haben teilweise nur den Abschluß der Primary School, einige aber auch den einer Secondary School. Die Nachfrage nach Ausbildungsangeboten in Moshi ist groß. Die Brüder möchten daher gerne ihr Ausbildungsprogramm um weitere Berufe erweitern.
    Heute wird kein einfacher Tag, denn es ist Zeit meine Sachen zu packen und Abschied zu nehmen. Mein kleines "Abenteuer" Schule in Tansania zu erleben findet heute nacht am Kilimanjaru Airport zwischen Moshi und Arusha ein vorläufiges Ende. Ähnlich vollbepackt wie bei der Anreise, diesmal allerdings weniger mit Geschenken und Unterrichtsmaterialien, sondern vielmehr mit vielen schönen Eindrücken und Erinnerungen, trete ich die Rückreise an.

  • #25

    michaelbauerde (Mittwoch, 08 August 2012 21:27)

    Am Nachmittag des gestrigen Tages gab es eine mich sehr bewegende Verabschiedung durch die Schulgemeinde der Kishumundu Secondary School. Danach habe ich den Schülern in der Versammlungshalle mit dem der Schule übereigneten Beamer einen Teil der von mir gemachten Bilder gezeigt. Es wurde viel miteinander gelacht! In der Nacth wurde ich dann von James Kiwara und Salome Mungure zum Kilimanjaru International Airport gebracht und trat die lange Heimreise an. Nun bin ich zu Hause und geniese die mir wieder verstärkt bewußt gewordenen Annehmlichkeiten unseres deutschen Lebensstandards: sichere Energie- und Wasserversorgug, warmes Wasser sofort bei Nachfrage, schnelle Internetverbindung, ein eigenes fahrbereites Auto vor der Tür statt dem eingeschränkten "Komfort" eines Dalla-Dallas und vor allem die vielen dienstbereiten Helfer im Haushalt, wie Waschmaschine, Spülmaschine, Kaffeemaschine, Mikrowelle ... UNS GEHT ES WIRKLICH SEHR GUT!

  • #26

    michaelbauerde (Donnerstag, 09 August 2012 20:02)

    Nachträgliche Korrektur zu Eintrag 24: Ich hatte dann bei meiner Rückreise schließlich doch ähnlich schwer zu tragen, denn James Kiwara und Salome haben mir eine Menge Geschenke für die deutschen Freunde der Schule mitgegeben.
    Da ich nun wieder einen schnellen DSL-Internetzugang zur Verfügung habe, gibt es seit heute auch ein paar filmische und akustische Impressionen aus der Schule (siehe unter der Bildergalerie).

Ende des Blogs. Es heißt: "Bilder sagen mehr als tausend Worte". Deshalb folgen hier jetzt noch ein paar Bilder und Filme. Wer noch etwas mehr über Lehrerfahrungen in Tansania lesen möchte, dem empfehle ich diesen Artikel im Spiegel.

Bilder und Filme

Fahren sie mit der Maus über ein Bild für eine Erläuterung. Klicken auf ein Bild führt zur vergrößerten Darstellung. Ein paar filmische Eindrücke aus der Schule, u.a. mit Gesängen, gibt es auf der Bilder und Filme-Sonderseite.

 

LINKTIPP: Livebilder der einzigen tansanischen Kilimandscharo-Webcam. Die Ostseite des Kilimandscharo zeigt diese kenianische Webcam.

 

Weitere Bilder gibt es auf der Bilder und Filme Sonderseite.

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